Eigentlich ist das hier kein Blog über Autismus. Eigentlich. Da ich aber 24 Stunden im Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr (ganz zu Schweigen von den 23 Jahren, die ich schon lebe, und allen auf diesen Beitrag folgenden Jahre) Autistin bin (und ich dementsprechend auch nur aus einer autistischen Perspektive schreiben kann), muss ich mich zwangsläufig immer wieder mit diesem Thema befassen. 

Vor bald vier Jahren habe ich die Diagnose Aspergersyndrom bekommen, was eine Unterkategorie von Autismus ist (wie Kannersyndrom und atypischer Autismus). Diese Kategorien werden aber in letzter Zeit immer unwichtiger, weil alle im so genannten Autismusspektrum verschmolzen werden. Unglücklicherweise führte das zum Diagnosenamen Autismusspektrumsstörung, mit dem viele Autisten Mühe haben. Denn der Name betont, wie die Diagnosekriterien, das defizitäre, also die Schwierigkeiten im Alltag. Eventuelle Vorteile wie Konzentration auf Details (praktisch, um Dinge zu suchen) und die hohe Konzentrationsfähigkeit (wenn ich voll konzentriert bin, brauchen meine Mitmenschen manchmal mehrere Anläufe, um meine Aufmerksamkeit zu erregen) werden dadurch den Nachteilen (Schwierigkeiten beim Umgang mit Mitmenschen) untergeordnet. (Ziel für die Ferien: Eigene Seite für Autismus erstellen. Ich schweife gerade komplett ab).

Zurück zum Thema: Gerade tut sich im Bereich Autismus bei mir unglaublich viel. Einerseits habe ich die beiden Bände des Schattenspringers von Daniela Schreiter (www.fuchskind.de) bei meiner gigantischen Bücherliste für eine mündliche Prüfung mitbestellt und inzwischen auch gelesen. Und dabei habe ich gemerkt, dass ich zwar inzwischen eine Diagnose habe, aber mich wahrscheinlich immer noch in zu vielen Bereichen darum bemühe, sie zu überspielen. Also so zu tun, als wäre ich Nichtautistin. Was nicht immer schlecht ist und manchmal sogar ganz praktisch sein kann (beim Einkaufen oder bei Gesprächen mit anderen Leuten). Das Problem ist, dass dieses Unterdrücken von autistischen Verhaltensweisen Energie beansprucht, die mir dann beispielsweise beim Studium fehlt. Und deswegen ist es für mich sehr vorteilhaft, wenn ich zu Hause solche seltsamen Sachen wie Schinken über Sprachgeschichte lesen oder Details über Papageien herausfinden betreibe (wusstet ihr schon, dass Papageien ebenfalls eine bevorzugte „Hand“ haben? Die meisten Papageienarten halten ihr Futter meist mit dem gleichen Fuss fest). Dummerweise habe ich eben irgendwann in der Grundschule begriffen, dass die meisten Menschen in ihrer Freizeit einen grossen Bogen um Sachbücher machen. Jedenfalls supercoole Jugendliche. Oder sie tun nur so, als ob. Jedenfalls habe ich dieses Verhalten dann auch privat übernommen. Was ich jetzt langsam wieder ändere.

Vielleicht hängt obiges Verhalten auch damit zusammen, dass sich meine Mutter (wir wohnen in einer Art WG zusammen) erst jetzt richtig mit dem ganzen Themenkomplex beschäftigt. Und kürzlich zugegeben hat, dass sie das Thema unterschätzt hat. 

Ich probiere ausserdem gerade aus, ob mir das Schreiben von Wochenplänen mehr liegt als das Schreiben von Tagesplänen. Und laut meiner Ärztin habe ich im Moment auch mehrere Gelegenheiten, um den Umgang mit Menschen zu üben (zum Beispiel sich bei der Studienberatung  beraten lassen, anstatt das Problem alleine lösen zu wollen).

Es tut sich in diesem Bereich also wirklich einiges.