Virus oder Medikament? — Oktober 10, 2016

Virus oder Medikament?

Seit letzter Woche habe ich ein Antidepressivum von meiner Psychiaterin verschrieben bekommen. Grund dafür war, dass es mir psychisch schon seit längerer Zeit nicht mehr gut ging, und deswegen schlug sie vor, mit einem Medikament zu stabilisieren. Besonders, da vor einigen Wochen die Vorlesungszeit wieder angefangen hat und ich deswegen auch mehr unter Druck stehe als in den Ferien.

Seit ich vor knapp einer Woche mit dem Medikament angefangen habe, geht es mir – psychisch – wieder besser. Doch gerade jetzt fühle ich mich körperlich nicht gerade fit, und ich weiss nicht, ob das jetzt gerade ein Virus oder eine Nebenwirkung ist. Bei den Nebenwirkungen des Medikaments wäre ich immer noch unter „sehr häufige Nebenwirkungen“, es besteht also kein Grund zur Sorge.

Jedenfalls sollten sich diese Nebenwirkungen eigentlich langsam verflüchtigen, und da ich mich erst seit den letzten zwei Tagen nicht so toll fühle, ist die Chance hoch, dass ich virusbedingte Probleme habe. Was die Sache allerdings auch nicht besser macht, denn mein Medikament hat eine ellenlange Liste von Medikamentengruppen, mit denen Wechselwirkungen auftauchen können. Kurz: Ich kann fast nichts aus der Hausapotheke anwenden, ohne zuerst einen Arzt oder Apotheker zu fragen. Ausserdem sollte ich in den nächsten Tagen noch die Dosis des Antidepressivums erhöhen, aber wenn das bis Morgen nicht besser ist, frage ich nochmals bei meiner Psychiaterin nach.

Im Moment scheint es so, als könnte ich nicht mal ein Antidepressivum einnehmen, ohne auf irgendwelche aussergewöhnlichen Probleme zu stossen.

Wenn kleine Schritte immer noch zu klein sind… — September 19, 2016

Wenn kleine Schritte immer noch zu klein sind…


Ich gebe ja zu, dass mir die Selbstdisziplin fürs selbstständige Arbeiten teilweise fehlt. Und ich weiss auch, dass es harte Arbeit ist, Selbstdisziplin zu lernen. Wenn mir diese Eigenschaft einfach in den Schoss fallen würde, würde ich keine Probleme damit haben.
In letzter Zeit konnte ich schon einige kleine Erfolge in diese Richtung verzeichnen: Ich habe es geschafft, in den Ferien, ohne
Prüfungsdruck, regelmässig zwei oder mehr Stunden für die Uni zu arbeiten. Jedenfalls bis vor kurzem.

Denn eigentlich wollte ich mehr erreichen. Doch da ich nicht so weit gekommen bin, wie ich wollte, wurde ich frustriert. Dazu kamen noch mehrere andere ärgerliche Kleinigkeiten, die unabhängig voneinander passierten und eigentlich auch nicht schlimm sind.

Und doch bekomme ich dadurch das Gefühl, nichts im Griff zu haben. Nichts scheint auf Anhieb zu funktionieren, ich verzettle mich in Kleinstproblemen, die alle gelöst werden wollen und die schwer zu delegieren sind.

Immerhin scheinen dem Zufall (oder irgendeiner sonstigen übergeordneten Macht) langsam die Ideen für Problemchen auszugehen. Es sind also wieder bessere Zeiten in Sicht:)

Ruhige Zeiten — August 9, 2016

Ruhige Zeiten

Im Moment sind Semesterferien – und damit eine Art grosses Sommerloch. Wobei ich mich eigentlich schon auf einige Prüfungen Ende nächstes Semester vorbereiten will (sonst muss ich alles gegen Ende der Vorlesungszeit oder über Weihnachten machen). Bloss ist meine Selbstdisziplin nicht gerade die Beste. Weswegen ich manchmal bewusst an die Uni fahre, weil ich dort mehr in der Öffentlichkeit bin und deswegen auch eher das Gefühl habe, ich müsste arbeiten. Zwar schaut mir niemand wirklich auf die Finger, und es gibt auch Studenten, die an der Uni Pokemon Go spielen – wenn ich an der Uni besser arbeiten kann, fahre ich halt an die Uni. Einziger Nachteil: Da ich unter anderem für eine Programmierprüfung üben muss, muss ich oft den Laptop mitnehmen. Und meiner ist im Vergleich zu anderen heutigen Geräten ziemlich sperrig. Aber solange er noch tadellos funktioniert, werde ich keinen neuen kaufen.

Die Ferien sind auch die Zeit, in der ich mich bevorzugt mit Lern- und Organisationstechniken beschäftige. Denn während den Ferien habe ich die Nerven, neues Verhalten einzuüben. Wenn ich mitten im Prüfungsstress bin, müssen die neuen Strategien sitzen. Dann habe ich anderes zu tun als über effiziente Wege nachzudenken. Ausserdem kann ich in den Ferien Strategien auch austesten, ohne das sie unbedingt funktionieren müssen. Wenn ich mit einer Strategie nichts anfangen kann, kann ich immer noch wechseln, ohne dass es eine Katastrophe gibt.

Im Moment habe ich aber sehr wenige feste Termine. Was es schwerer macht, nicht den ganzen Tag zu schlafen oder sich mit irgendetwas die Zeit zu vertreiben. Und mit irgendetwas meine ich wirklich Tätigkeiten, bei denen nichts sinnvolles (persönlich oder beruflich) herauskommt. Nicht, dass dieses irgendetwas machen nicht seinen Sinn hätte – aber wenn man über einen Monat Ferien hat, braucht es zwischendurch auch fordernde Tätigkeiten.

Vorlesungsfreie Zeit — Juni 25, 2016

Vorlesungsfreie Zeit

Von Laien gerne auch „Ferien“ genannt. Theoretisch zum Vor- und Nachbereiten da, praktisch wird das meiste in die Vorlesungszeit gestopft, was daran liegt, dass die Prüfungen oft am Ende der Vorlesungszeit stattfinden. Lernphase gibt es nicht. Ich hätte mir heute nicht bei einer Online-Zeitung die Kommentare über faule Studenten reinziehen sollen.

Themenwechsel: Ich habe alle Leistungsnachweise, die ich noch dieses Semester erbringen muss, zumindest eingereicht. Die Prüfung, die ich im letzten Beitrag erwähnt habe, habe ich bestanden (wenn auch nicht besonders gut) und ich warte jetzt noch auf die Bewertung einer Arbeit, die ich letzten Sonntag abgegeben habe. Bei dieser Arbeit wurde es gegen Ende sehr knapp, ich war deshalb froh, als ich die Bestätigungsmail des Dozenten gesehen habe. Immerhin scheint meine Arbeit soweit in Ordnung zu sein, dass er sie überhaupt korrigiert:)

Mit meinem Musiklehrer läuft es einigermassen. Ich konnte ihm klar machen, dass ich bis zum 19. viel zu tun habe und deswegen nicht so viel üben kann. Inzwischen läuft auch ein kniffliges Stück einigermassen. Nach den Ferien gibt es übrigens einen Wechsel, da er nach den Ferien nicht mehr an der Musikschule arbeitet.

Bei den Vögeln sind schon seit längerem spannende Zeiten angebrochen. Die sind gerade fleissig am Nachwuchs aufziehen, und ein Raubvogel legt sich in Sachen Brüten/Aufzucht richtig ins Zeug – was allerdings für die Pfleger nicht sehr vorteilhaft ist. Denn er nimmt seinen Job als Beschützer so ernst, dass das Füttern ein richtiges Abenteuer ist. Vor allem, weil man zum Füttern reingehen müsste. Mein Chef meinte zwar, ich hätte keine Probleme, wenn ich den Besen mitnehmen würde, aber besagter Vogel hat trotzdem ziemlich scharfe Krallen. Meine Taktik bestand bisher darin, ihm das Futter zu zeigen. Was auch aus seiner Sicht ein gutes Argument ist, mich kurz reinzulassen…

Was mich zu etwas bringt, was ich dringend erledigen muss: Abklären, ob die Tetanusimpfung wiederholt werden muss. Wobei der Rest der Impfungen auch überprüft werden sollte…

Wenn man nachts um zwei noch wach ist… — Mai 19, 2016

Wenn man nachts um zwei noch wach ist…

…ist der Grund dafür hoffentlich eine tolle Party. Bei mir ist es leider eher so, dass mir eine Arbeit, ein Konzert, eine Prüfung und die suboptimale Situation in der Musikschule im Kopf herumschwirren.

Diese Woche musste ich aufschreiben, wie oft und was ich auf der Geige übe. Weil mein Musiklehrer mir nicht glaubt, dass ich mir Mühe gebe.

Und vermutlich wird er mein Protokoll in der Luft zerreissen, weil ich nicht genau seinen Anweisungen gefolgt bin. Merkt euch: Wenn man sich nach über zehn Jahren Geigenunterricht bei einer anderen Lehrerin dazu erdreistet, eine andere Methode und Herangehensweise als mein aktueller Lehrer zu haben, funktioniert sein ganzer Unterrichtsansatz nicht. Und dabei geht es nicht um wirklich substanzielle Probleme. Es sind Dinge wie: Den richtigen Ton durch perfekte Handtechnik finden vs. sich einprägen, wie der Ton zu klingen hat und diese Tonvorstellung nachzuspielen. Wenn es um Feinheiten in der Handtechnik geht, bin ich miserabel. Ist auch mit einer eigenen Diagnose begründet. Theoretisch weiss er das. Praktisch verbucht er es wahrscheinlich unter Modediagnose, weil es ja nicht sein kann, dass jemand mit motorischen Schwierigkeiten Geige spielt. Und es wird heutzutage sowieso überdiagnostziert, oder jemand macht einen Onlinetest und nimmt die daraus resultierende Verdachtsdiagnose als bestätigte an. Bei mir wurden beide allerdings durch entsprechend ausgebildete Fachpersonen nach detaillierten Abklärungen gestellt. Viele Menschen gehen bei solchen Geschichten übrigens automatisch von Modediagnosen oder mangelndem Selbstwertgefühl aus. So als Input für eventuelle zukünftige Artikel anderer Autoren, die dieses Vorurteil bestimmt verfestigen werden.

Was ich mit Motorik nicht leisten kann, kann ich mit meinem Gehör, dem Kopf und etwas mehr Übungszeit zumindest soweit ausgleichen, dass ich mich auch an schwierige Stücke wagen kann. Aber Gehör und Kopf sind dummerweise nicht seine geliebte Handtechnik, mit der ich mich seit mehr als einem halben Jahr abgequält habe. Ohne seinen Anforderungen je zu genügen. Ich habe es wirklich versucht. Aber automatisieren klappt leider nicht, und im Moment mag ich daran nicht weiterarbeiten. Es ist zu frustrierend. Und ausserdem nicht besonders wichtig, da ich den Mangel ziemlich gut kompensieren kann. Es reicht auf jeden Fall, um ein schönes Hobby zu haben. Und mehr will ich ja gar nicht.

Und jetzt… jetzt raubt mir dieses Problem unter anderem die Kraft, die ich für die Arbeit und die Prüfung brauchen könnte. Denn ich versuche, das Problem aufzuklären. Aber wenn die andere Seite nicht will…

Immerhin verlässt er im Sommer die Schule. Dann gibt es sowieso  einen Lehrerwechsel. Aber ich fände es trotzdem toll, wenn ich mich bis dahin nicht ständig mit meinem Lehrer streiten müsste.

Mit der Prüfung und der Arbeit ist es eigentlich das gleiche Problem wie immer. Die Zeit vergeht wie im Flug, und eigentlich wollte ich schon mit beiden weiter sein. Es wäre aber noch nett, wenn jemand meinem Hirn erklären könnte, dass es für Nachtschichten doch etwas zu früh ist. Und ich Morgen garantiert wieder spät aufstehen werde und die potenzielle Arbeitszeit deswegen empfindlich schrumpfen wird. Denn eigentlich bin ich aktuell komplett übermüdet…

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Organisationstalent — März 24, 2016

Organisationstalent

Ich habe gerade eine SMS an einen Klavierlehrer geschickt, der mich bei einem kleinen Konzert begleiten sollte. Es ist natürlich von Vorteil, wenn wir das Stück schon vorher einmal zusammen durchgespielt haben. Jetzt gibt es aktuell aber zwei Probleme:

  • Er weiss (noch) nicht, dass ich seine Handynummer von meinem Musiklehrer habe
  • Mein Musiklehrer hat vergessen, ihm die Klaviernoten zu geben. Im schlimmsten Fall muss er  die Klavierstimme bei der Probe von mir kopieren. Ich bezweifle zwar, dass es eine schwierige Begleitung ist (mein Part ist auch nicht besonders schwer), aber es ist alles andere als ideal.

Mal schauen, wie es ausgeht…

Neue Perspektiven — Januar 30, 2016

Neue Perspektiven

Eigentlich ist das hier kein Blog über Autismus. Eigentlich. Da ich aber 24 Stunden im Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr (ganz zu Schweigen von den 23 Jahren, die ich schon lebe, und allen auf diesen Beitrag folgenden Jahre) Autistin bin (und ich dementsprechend auch nur aus einer autistischen Perspektive schreiben kann), muss ich mich zwangsläufig immer wieder mit diesem Thema befassen. 

Vor bald vier Jahren habe ich die Diagnose Aspergersyndrom bekommen, was eine Unterkategorie von Autismus ist (wie Kannersyndrom und atypischer Autismus). Diese Kategorien werden aber in letzter Zeit immer unwichtiger, weil alle im so genannten Autismusspektrum verschmolzen werden. Unglücklicherweise führte das zum Diagnosenamen Autismusspektrumsstörung, mit dem viele Autisten Mühe haben. Denn der Name betont, wie die Diagnosekriterien, das defizitäre, also die Schwierigkeiten im Alltag. Eventuelle Vorteile wie Konzentration auf Details (praktisch, um Dinge zu suchen) und die hohe Konzentrationsfähigkeit (wenn ich voll konzentriert bin, brauchen meine Mitmenschen manchmal mehrere Anläufe, um meine Aufmerksamkeit zu erregen) werden dadurch den Nachteilen (Schwierigkeiten beim Umgang mit Mitmenschen) untergeordnet. (Ziel für die Ferien: Eigene Seite für Autismus erstellen. Ich schweife gerade komplett ab).

Zurück zum Thema: Gerade tut sich im Bereich Autismus bei mir unglaublich viel. Einerseits habe ich die beiden Bände des Schattenspringers von Daniela Schreiter (www.fuchskind.de) bei meiner gigantischen Bücherliste für eine mündliche Prüfung mitbestellt und inzwischen auch gelesen. Und dabei habe ich gemerkt, dass ich zwar inzwischen eine Diagnose habe, aber mich wahrscheinlich immer noch in zu vielen Bereichen darum bemühe, sie zu überspielen. Also so zu tun, als wäre ich Nichtautistin. Was nicht immer schlecht ist und manchmal sogar ganz praktisch sein kann (beim Einkaufen oder bei Gesprächen mit anderen Leuten). Das Problem ist, dass dieses Unterdrücken von autistischen Verhaltensweisen Energie beansprucht, die mir dann beispielsweise beim Studium fehlt. Und deswegen ist es für mich sehr vorteilhaft, wenn ich zu Hause solche seltsamen Sachen wie Schinken über Sprachgeschichte lesen oder Details über Papageien herausfinden betreibe (wusstet ihr schon, dass Papageien ebenfalls eine bevorzugte „Hand“ haben? Die meisten Papageienarten halten ihr Futter meist mit dem gleichen Fuss fest). Dummerweise habe ich eben irgendwann in der Grundschule begriffen, dass die meisten Menschen in ihrer Freizeit einen grossen Bogen um Sachbücher machen. Jedenfalls supercoole Jugendliche. Oder sie tun nur so, als ob. Jedenfalls habe ich dieses Verhalten dann auch privat übernommen. Was ich jetzt langsam wieder ändere.

Vielleicht hängt obiges Verhalten auch damit zusammen, dass sich meine Mutter (wir wohnen in einer Art WG zusammen) erst jetzt richtig mit dem ganzen Themenkomplex beschäftigt. Und kürzlich zugegeben hat, dass sie das Thema unterschätzt hat. 

Ich probiere ausserdem gerade aus, ob mir das Schreiben von Wochenplänen mehr liegt als das Schreiben von Tagesplänen. Und laut meiner Ärztin habe ich im Moment auch mehrere Gelegenheiten, um den Umgang mit Menschen zu üben (zum Beispiel sich bei der Studienberatung  beraten lassen, anstatt das Problem alleine lösen zu wollen).

Es tut sich in diesem Bereich also wirklich einiges.

Einen guten Start ins neue Jahr! — Dezember 31, 2015
Frohe Weihnachten… — Dezember 24, 2015
Dass ich für meine Diagnose eine eigene Seite bräuchte… — November 23, 2015

Dass ich für meine Diagnose eine eigene Seite bräuchte…

…bewies der Sicherheitsexperte Karl-Heinz Kamp letzten Dienstag mal wieder. Er brachte kurzerhand islamistischen Extremismus und Autismus in einer Talkshow zusammen (besser beschrieben und mit Quellenangaben auf Auticare).

Da das anscheinend wieder mal nötig ist (ich erinnere mich daran, dass sich vor einigen Jahren nach einem Amoklauf diverse Autisten deutlich davon distanzierten, weil jemand leichtsinnig mit dem Begriff umging) sage ich es hier nochmal deutlich: Ich bin Autistin und finde die Anschläge von Paris und Beirut grauenhaft. Ich habe mit Islamisten oder Jihadisten überhaupt nichts am Hut. Und gewalttätig bin ich schon gar nicht.

Es wäre nett, wenn Autismus nicht immer wieder als Schimpfwort missbraucht werden würde. Oder leichtfertig in einem Atemzug mit Gewalttaten genannt werden würde. Ich habe keine Lust darauf, angegriffen zu werden, nur weil ich Autistin bin. Und ich übertreibe es nicht, denn der Artikel nennt einige Beispiele dafür, inklusive Quellenangaben.

Danke fürs Lesen.